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Arbeitssicherheit

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen ab einem Mitarbeiter eine Sicherheitsfachkraft für den Betrieb vor! Jeder Unternehmer muss im Rahmen sog. Gefährdungsbeurteilungen ermitteln, welchen Risiken die Angestellten bei der Arbeit ausgesetzt sind.
Dies muss schriftlich und fachgerecht beurteilt und Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen werden. Zudem sind alle Beschäftigten vor Ausübung einer Tätigkeit regelmäßig (jährlich), tätigkeitsbezogen zu unterweisen. Dies ist rechtssicher (mit Inhalt der Unterweisung) zu dokumentieren.

Wie kann das für Sie aussehen?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Der Unternehmer kann sich selbst in diesem Bereich schulen lassen und ist damit seine eigene Sicherheitsfachkraft und verantwortlich für die oben genannten Aufgaben. Entsprechende Schulungen zum Unternehmermodell bietet die SVLG (Berufsgenossenschaft) an.

Für den Weinbau haben wir unseren Betriebshelfer Peter Kopf als Fachkraft für Arbeitssicherheit ausgebildet. Damit kann er als externe Sicherheitsfachkraft für Sie tätig werden, die geforderten Unterlagen zusammenstellen, und Sie zum Arbeitsschutz beraten.

Merkblatt Arbeitssicherheit für Betriebe

Hier können Sie sich das Merkblatt „Arbeitssicherheit für Betriebe“ kostenlos downloaden.

Wer vordenkt, muss nicht nachdenken

Peter Kopf ist Fachkraft für Arbeitssicherheit beim Maschinenring. Er unterstützt landwirtschaftliche Betriebe bei der Umsetzung von Vorschriften aus dem Bereich der Arbeitssicherheit und des betrieblichen Gesundheitsschutzes. Wir haben nachgefragt, wie er dazu gekommen ist und was ihm daran gefällt.

Text: Indra Diem

Was machen Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit denn genau?

Meine Aufgabe ist es, die Betriebsanlagen und technischen Arbeitsmittel sicherheitstechnisch zu überprüfen. Außerdem ist es meine Aufgabe, die Durchführung der Arbeitssicherheit auf den landwirtschaftlichen Betrieben zu beobachten und zu beurteilen. Da zu gehört dann auch, die Betriebe regelmäßig zu besuchen.

Sind Sie ein echter Südpfälzer?

Ich komme aus Landau-Mörzheim und bin dort auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Schwerpunkt Weinbau aufgewachsen. Das hilft mir in der Praxis sehr, denn ich weiß genau, wo die kritischen Punkte auf den Betrieben sind und kann den Landwirten dann praxistaugliche Lösungen vorschlagen.

Wie sind Sie zum Maschinenring Südpfalz gekommen und was haben Sie vorher gemacht?

Ich habe die Meisterschule zum Winzer erfolgreich abgeschlossen und danach selbstständig gearbeitet und ab und zu habe ich schon mal beim Maschinenring ausgeholfen. Ich kannte Frau Pfalzgraf vom Maschinenring Südpfalz und habe sie darauf angesprochen, ob sie nicht jemanden bräuchten. Seit 2008 bin ich nun Betriebshelfer.

Wie lange sind Sie bereits als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig und was gefällt Ihnen daran? Vor 5 Jahren habe ich die Weiterbildung als Fachkraft für Arbeitssicherheit gemacht, da es mich interessiert hat und es war spannend für mich, eine neue Herausforderung anzugehen. Es gefällt mir sehr gut, da ich gerne im Kontakt mit den Leuten bin, ebenso nehme ich den Betrieben gerne ein Teil der bürokratischen Arbeit ab. Dadurch, dass ich selber Winzermeister bin und Erfahrung habe, weiß ich, wie es draußen abläuft und kann so viele Betriebsleiter gut verstehen. Es ist es schön, dass viele Betriebe dankbar sind, dass ich sie regelmäßig über dieses komplexe Thema aufkläre.

Wie läuft das ab, wenn Sie auf einen Betrieb kommen und die Gefährdungsbeurteilung machen?

Die Betriebe melden sich beim Maschinenring Südpfalz, danach vereinbare ich telefonisch einen Termin vor Ort. Als Erstes wird der Betrieb dann beraten, ich stelle den Ordner für Arbeitssicherheit vor und erkläre, wie er aufgebaut ist. Danach gibt es eine Betriebsbegehung zusammen mit dem Betriebsleiter. Mängel und Gefährdungen werden fotografisch und schriftlich festgehalten.

Warum würden Sie Betrieben empfehlen, das vom Maschinenring machen zu lassen?

Ich denke, als externer sieht man vieles objektiver. Dadurch, dass ich Erfahrung habe und immer auf dem aktuellen Stand bin, kann ich es einfacher an die Betriebe weitergeben und ihnen ein Teil der Arbeit abnehmen. Ich möchte den Menschen nahebringen, wie wichtig die Arbeitssicherheit in einem landwirtschaftlichen Betrieb ist. Das Thema muss einem schon vorher bewusst sein und nicht erst wenn etwas passiert ist.

Interview mit Peter Heise – Fachkraft für Arbeitssicherheit im Maschinenring Rheinhessen-Nahe-Donnersberg e.V.

Der Maschinenring bietet seinen Mitgliedern jetzt auch die Betreuung durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit. Wir haben mit Geschäftsführer Georg Müller und Arbeitssicherheitsexperte Peter Heise gesprochen.

Ernst: Wie unterstützt der Maschinenring die Beratung der Mitglieder?

Müller: Die Maschinenringe haben ein gemeinsames Ordnersystem entwickelt. Mit diesem Leitfaden sind die Mitglieder grundsätzlich in der Lage, das Thema weitgehend selbst abzuarbeiten. Der Aufwand durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit reduziert sich damit erheblich, was sich auch auf die Kosten auswirkt.

Ernst: Können sich die Betriebe also ohne Fachkraft selbst organisieren?

Müller: Nein, ohne entsprechende Qualifikation geht das nicht. Dazu müsste sich der Landwirt oder Winzer erst nach dem Unternehmermodell qualifizieren. Dies können wir den Mitgliedern durch unsere Fachkraft für Arbeitssicherheit abnehmen.

Ernst: Wie kommt das Thema „Arbeitssicherheit“ bei den Mitgliedern an?

Heise: Erstaunlicherweise sind die 1-Mann-Betriebe oft sehr aufgeschlossen und bereit notwendige Maßnahmen umzusetzen. Größere Betriebe scheuen sich manchmal vor dem Aufwand. Leider führen oft erst Unfälle zu einer Sensibilisierung.

Ernst: Wie überzeugen Sie Betriebe die das Thema nicht so ernst nehmen?

Heise: Die wichtigste Aufgabe ist es, Unfälle zu vermeiden. Denn ein Betriebsausfall wird oft viel teurer als die Kosten für die Arbeitssicherheit. Als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit hat man einen anderen Blick auf die Abläufe als der Betriebsleiter. Insbesondere wenn Kinder auf den Hof leben, liegt mir die Sicherheit besonders am Herzen.

Ernst: Was sind die häufigsten Mängel die Sie vorfinden?

Heise: Immer wieder findet man Fahrzeuge mit abgefahren Reifen oder abgelaufenem TÜV. Auch die jährlichen Unterweisungen der Mitarbeiter fehlen oft gänzlich. Diese müssen bereits ab einem angestellten Mitarbeiter erfolgen. Auch dann wenn es sich lediglich um Saisonarbeitskräfte handelt. Hier spielt bspw. der Hautschutz eine wichtige Rolle.

Ernst: Wie viele Betriebe haben Sie bisher beraten?

Heise: Bisher sind acht Betriebe, vorrangig Weinbaubetriebe, in meiner Betreuung.

Ernst: Wie kam es dazu, dass Sie sich als Fachkraft für Arbeitssicherheit qualifiziert haben?

Heise: Seit meiner Zivildienstzeit als Betriebshelfer, stehe ich mit dem Maschinenring in Verbindung. Vor etwa vier Jahren habe ich dann das Angebot des MR erhalten, mich als Fachkraft für Arbeitssicherheit weiterbilden zu können. Zu diesem Zeitpunkt war ich hauptberuflich als Techniker im Weinbau angestellt und es stand der Einstieg in den elterlichen Betrieb auf dem Plan. Da war die Tätigkeit beim Maschinenring eine passende Kombination.

Ernst: Welche Argumente sprechen für die Betreuung durch den Maschinenring?

Georg Müller: Neben den körperlichen und wirtschaftlichen Folgen eines Unfalls, möchte der Maschinenring seine Mitglieder auch vor den rechtlichen Konsequenzen mit existenziellen Folgen schützen. Das gemeinsame Ordnersystem der Maschinenringe, zusammen mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit bietet dabei eine wesentliche Unterstützung der Betriebe in der Rechtssicherheit.

Ernst: Wie läuft der Erstkontakt ab?

Müller: Die Mitglieder melden sich einfach bei uns in der Geschäftsstelle. Den Erstbesuch übernehme ich in der Regel selbst. Dabei wird dem Betrieb unsere Arbeitsweise vorgestellt und das Risikoprofil des Betriebes, also die Gefährdungspotentiale definiert. Dafür bietet das Ordnersystem entsprechende Module um die relevanten Punkte strukturiert durch den Betriebsleiter oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit abzuarbeiten.

Text:Stefan Ernst
Bild: Peter Heise, Fachkraft für Arbeitssicherheit